Klaus Huber

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Dem Alltags-Bodensatz enthoben

  • 10 Aug 2026
  • Klaus Huber

Dem Alltags-Bodensatz enthoben

Vier neue Gedichte zwischen Lebensbilanz, Sommergelassenheit und der Frage, die niemand stellen will

Im Alter, sagt Klaus Huber, drängen sich die Bilanzen auf. Was hat man geschafft? Was bleibt? Die Antwort gibt er nicht in Prosa – sondern in Versen, frühmorgens, wenn der Tag noch still ist:

Bilanz zunehmenden Alters

Im Alter drängt im Großen, Ganzen
sich vermehrt auf Schar der Bilanzen.
Im Grunde leb' ich zwischen Welten,
die mir im Innern so viel gelten:

zum einen einstiges Bemühen,
in meinem Wirken stets zu glühen,
zum andern, was ich angefangen
mit Dingen, die nicht stets gelangen,

der Wirklichkeit die Stirn zu bieten,
wenn auch Versuche noch so glühten.
Ich hoffe, dass einst – ohne Schaden –
gelingt, zum Ziel hin zu geraten,

dass man am Ende könnte sehen:
Ich war bereit, dann auch zu gehen.
„Bemüht war er auf jeden Fall
und weilt dankbar hierfür im All."

Klaus Huber

Doch wer Klaus Huber kennt, weiß: Der Mann bleibt nicht beim Rückblick stehen. Er genießt. Bewusst, gelassen, dankbar. Die endlosen Sommertage werden nicht verplant – sie werden gelebt:

Endlose Sommertage

Endlos wirken Sommertage,
wenn ich es – gelassen – wage,
sie mit angenehmen Dingen
– frei von Arbeit – zuzubringen,

solang wie möglich zu genießen,
woraus dann auch Ideen sprießen,
wenn wir sie selbstbewusst uns füllen,
den Hunger nach Erleben stillen.

Noch lang genug wird Herbst und Winter.
Im Grunde leben wir gesünder,
wenn wir – dem Augenblick ergeben –
nicht stets zu neuen Zielen streben,

sondern zuzeiten bewusst rasten,
wobei wir dankbar dann erfassten,
dass solche Zeiten uns geschenkt,
wenn unsere Seele dahin lenkt.

Klaus Huber · Spontaner Sommergruß!

Doch zwischen den sonnigen Zeilen schleicht sich eine andere Stimmung ein. Geschrieben um vier Uhr morgens – wieder eine dieser schlaflosen Nächte. Ein Brief blieb unbeantwortet. Ein Freund schweigt. Die Frage, die sich keiner zu stellen traut, formt Klaus Huber zu einem der berührendsten Gedichte der letzten Wochen:

Stille Frage

Bleibt Antwort auf ein Schreiben stumm,
komme ich um Fragen nicht herum,
ob wohl der Adressat noch lebt
und deshalb nicht zur Antwort strebt?

So enden mancherlei Versuche,
dass ich einst mit ihm Zeiten buche.
Scheint manche Sorge übertrieben
– er ist im Herzen eingeschrieben.

Die Hoffnung bleibt, dass trotz Vergehen
wir uns in neuen Welten sehen.

Klaus Huber

Und dann, am Samstag, schickt Klaus ein Gedicht „aus dem Archiv" – geschrieben in Vorbereitung auf einen Besuch. Es ist das Gedicht über den Ort, an dem alles entsteht. Jenen kleinen Giebel, in dem seit Jahrzehnten die Worte fliegen. Es ist zugleich das Gedicht, das dieser Rubrik ihren Namen gab:

Im Schreibgiebel

Dem Alltags-Bodensatz enthoben,
begebe ich mich gern nach oben,
wo wieder die Gedanken fliegen,
die mir so sehr am Herzen liegen,

um sie nun zu Papier zu bringen
in Hoffnung, es werde gelingen,
dass mein Bedürfnis hier vermerkt,
was – nicht nur für mich – im Leben stärkt.

Klaus Huber

P. S. von Klaus Huber: „Selbsthilfe, nicht nur für mich, ist Lebenshilfe."
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Über den Autor

Klaus Huber, geboren in Achern, ist pensionierter Grundschullehrer, Lyriker und freier Autor. Als „Klaus vom Dachsbuckel" verbindet er in seinen Gedichten der Begegnung und Ermutigung Heimatverbundenheit mit christlichen Werten und feinsinnigem Humor. Im Juli 2026 feierte er seinen 80. Geburtstag – und dichtet weiter, fast täglich.

Weitere Werke: www.klausvomdachsbuckel.de